Nierenzellkarzinom

Etwa 3-4% aller bösartigen Tumoren des Erwachsenen sind Nierentumoren. Der häufigste Tumor, das Nierenzellkarzinom, wird bei etwa neun von 100.000 Einwohnern diagnostiziert. Männer erkranken dreimal häufiger als Frauen. Andere die Niere betreffende bösartige Tumoren wie das Urothelkarzinom oder das Sarkom gehören zu den seltenen Tumoren. Das Nierenzellkarzinom wird meist zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr diagnostiziert. Die klassische Symptomatik wie Flankenschmerz, blutiger Urin, tastbare Raumforderung im Oberbauch ist eher selten geworden, da Nierentumoren häufig als Zufallsbefund im Rahmen eine Ultraschalluntersuchung oder einer Computertomographie diagnostiziert werden.

Als Risikofaktoren gelten Alkohol- und Tabakkonsum, sowie Übergewicht und für das Nierenbecken und Harnleiterkarzinom auch langjährige Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetikanephropathie). Auch die Exposition mit Asbest, Cadmium, Blei und Holzschutzmittel gelten als Risikofaktoren. Zu den gesicherten Faktoren zur Entstehung des Nierenzellkarzinoms gehören vererbbare Syndrome wie das von-Hippel-Lindau-Syndrom, das hereditäre papilläre Nierenzellkarzinom oder die tuberöse Sklerose.

Diagnostik

Neben der körperlichen Untersuchung und einer Blut- und Urinuntersuchung sind bildgebende Verfahren wie z.B. die Ultraschalluntersuchung oder die Computertomographie (CT) zur Darstellung oder zum Ausschluss des Tumors notwendig. In der Bildgebung kann weiterhin die Infiltration umgebender Organe oder eine bereits vorhandene Absiedlung (Metastasen) des Tumors festgestellt werden. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Nierentumor, erfolgen - je nach Befund - weitere Untersuchungen wie die Durchführung einer Computertomographie (CT) des Bauches und Beckens, eine Skelettszintigraphie, eine Röntgenuntersuchung oder CT des Brustkorbes sowie eine Kernspintomographie (MRT) oder ein CT des Schädels. In seltenen Fällen kann eine Angiographie oder ein Ausscheidungsurogramm zur Diagnosestellung durchgeführt werden. In einigen Fällen erfolgt zunächst eine Biopsie der Niere (Probenentnahme), um den Tumor besser einschätzen zu können.

Therapie

Je früher ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert wird umso besser ist ie Prognose für den Patienten. In seltenen Fällen kann auch nach o. g. Diagnostik nicht festgestellt werden, ob es sich um einen bösartigen oder gutartigen Tumor handelt. Es erfolgt dann die operative Freilegung des Tumors. Während der Operation wird mit Hilfe einer feingeweblichen Schnellschnittdiagnostik die Dignität (bös- oder gutartig) des Tumors bestimmt, um so die optimale Behandlung für den Patienten zu gewährleisten. Dieses Verfahren wird angewendet, um schon frühzeitige Stadien eines bösartigen Tumors nicht zu übersehen. Neben der Diagnose wird der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten in der weiteren Therapieplanung berücksichtigt.

Kurative (heilende) Operationen


  • Nierenteilentfernung (Partielle Nephrektomie): Die Teilentfernung bei Tumoren der Niere ist ein etabliertes Verfahren und zeigt keinen Nachteil hinsichtlich der 5-Jahresüberlebensrate verglichen mit der kompletten Nierenentfernung. Auch diese Operation kann laparoskopisch oder mit Roboter durchgeführt werden. Bei Patienten mit Einzelniere oder schlechter Nierenfunktion wird in Einzelfällen auch bei großem Tumor die partielle Nephrektomie durchgeführt.
  • Komplette Entfernung der betroffenen Niere einschließlich der Lymphknoten (Radikale Nephrektomie): Wenn ein Tumor > 4 cm Durchmesser diagnostiziert wurde, erfolgt in der Regel die komplette Entfernung des Organs. Die Ausscheidungsfunktion wird durch die verbliebene Niere übernommen. Neben der Operation der Niere über einen Flanken- oder Bauchschnitt kann die Niere auch laparoskopisch („Schlüssellochtechnik“) entfernt werden. In verschiedenen Studien wurde hinsichtlich des intraoperativen Blutverlustes, des postoperativen Schmerzes und Schmerzmittelverbrauchs ein Vorteil der laparoskopischen Operation gesehen. Hinsichtlich der 5-Jahresüberlebensrate zeigt sich kein Unterschied zwischen den beiden Operationstechniken.
  • Radiofrequenzablation und Kryotherapie: Bei kleinen Tumoren kann durch Erhitzung (Radiofrequenzablation) oder Kühlung (Kryotherapie) des Tumorgewebes ein Tumorzerfall erreicht werden. Dieser Eingriff kann offen operativ, laparoskopisch oder durch eine Stichinzision über die Haut durchgeführt werden. In Göttingen bieten wir die Radiofrequenzablation und die IRE (irreversible Elektroporation) in ausgewählten Fällen als Behandlungsmethode an.

Palliative Operation

In etwa 30% der diagnostizierten Nierenzellkarzinome liegen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits Metastasen vor. In diesen Situationen muss im Einzelfall über die Entfernung der Nieren entschieden werden. Eine medikamentöse Therapie muss in der Regel im Anschluss an die Operation erfolgen.

Metastasenchirurgie

Wenn Metastasen in anderen Körperorganen diagnostiziert wurden (z.B. Lunge), kann die operative Entfernung der Metastase zur Beschwerdelinderung oder auch zur Heilung beitragen. Dieses Vorgehen ist immer eine Einzelfall-Entscheidung.

Medikamentöse Therapie (Systematische Therapie)

Chemo- und Hormontherapie zeigen beim Nierenzellkarzinom keine Wirkung. Gegenwärtig wird die Immuntherapie und die „targeted therapy“ beim metastasierten Nierenzellkarzinom eingesetzt. Diese Therapien werden als Medikamente in Tablettenform oder als Infusionstherapie eingesetzt. Bei der Immuntherapie werden hormonartige Substanzen wie Interferon und Interleukin appliziert, die das körpereigene Immunsystem aktivieren. Dieser über lange Jahre als einzige Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stehende Weg wird heute als wenig wirksame Behandlung nahezu nicht mehr angewandt. Die zielgerichtete Therapie („targeted therapy“) des metastasierten Nierenzellkarzinom ist seit dem Jahr 2006 zugelassen und verhindert die weitere Replikation von Tumorzellen.

Jede Therapieform wird als Zyklus mit anschließender Therapie-Pause verabreicht. In dieser Pause wird das Ansprechen der Therapie mittels Computertomographie festgestellt. Die engmaschige Nachsorge und Betreuung der Patienten erfolgt in unserer Poliklinik oder wird durch niedergelassenen Kollegen fortgeführt. Hier erfolgt neben der regelmäßigen Kontrolle des Ansprechens der Therapie, besonders auch die Behandlung von auftretenden Nebenwirkungen (u. a. Hautveränderungen, Blutdruckveränderungen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Schleimhautveränderungen im Rachenraum).

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns