Hodentumor

Im Hoden können sich sowohl bösartige als auch gutartige Tumoren entwickeln, wobei gutartige Hodentumoren als eher selten anzusehen sind. Aus diesem Grund möchten wir uns in diesem Beitrag auf die bösartigen Veränderungen des Hodens beschränken.

Hodenkrebs stellt mit einem Anteil von etwa zwei Prozent an allen Krebsneuerkrankungen eine eher seltene Tumorerkrankung dar. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 4750 Männer an einem bösartigen Hodentumor (Robert-Koch-Institut), wobei dieses Tumorleiden insbesondere Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr betrifft. In dieser Altersgruppe stellt der Hodenkrebs die häufigste Tumorerkrankung überhaupt dar. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Neuerkrankungen zu verzeichnen, die skandinavischen Länder sind dabei vergleichsweise stärker betroffen. Ursächlich werden genetische Faktoren und Ernährungsgewohnheiten diskutiert. Als gesicherte Risikofaktoren für die Entstehung eines Hodentumors gelten das Vorliegen von Bauch-, Pendel- oder Leistenhoden, auch nach operativer Lagekorrektur. Betroffene Männer haben ein zehn- bis fünfzehnmal höheres Risiko an Hodenkrebs zu erkranken.

Meistens (ca. 95% der Fälle) tritt der maligne (bösartige) Hodentumor nur auf einer Seite auf. Betrachtet man das Gewebe, aus dem Hodentumoren entstehen, liegen in ca. 90% der Fälle Hodentumoren vor, die ihren Ursprung in den Keimzellen haben; sie werden unterschieden in Seminome und Nichtseminome. Die restlichen 10% der malignen Hodentumore gehen aus dem Stütz- und Bindegewebe hervor (Leydigzelltumore, Sertolizelltumore).

Die Heilungschancen für maligne Hodentumoren selbst bei Vorliegen von Tochtergeschwülsten (Metastasen) haben sich seit Einführung der Chemotherapie mit dem Medikament Cisplatin deutlich verbessert. Inzwischen besteht bei Durchführung einer standardisierten Behandlung, die in der Regel in spezialisierten Zentren erfolgen sollte, eine Heilungschance von im Mittel über 90%.

Symptome

Der Hodentumor fällt meistens durch eine zunehmende schmerzlose Schwellung des Hodens auf. Beim Betasten des Hodens z.B. unter der Dusche fällt eine Verhärtung im/am Hoden auf. 10-20% der Patienten berichten über uncharakteristische Beschwerden im Hodensack (Schwere- und/oder Druckgefühl, Schmerzen). Bei einigen Patienten können als erste Symptome eines Hodentumors auch eine Blutbeimengung im Sperma (rostbraune Verfärbung), eine Schwellung der Brustdrüsen (durch hormonelle Veränderungen) oder Beschwerden durch bereits vorhandene Tochtergeschwülste (Rücken-/Nierenschmerzen, Luftnot) auftreten.

Diagnostik

Wenn im Rahmen der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf einen Hodentumor besteht, sollten umgehend weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden. Hierzu gehören in erster Linie die Ultraschalluntersuchung der Hoden sowie des Hinterbauchraumes (Retroperitoneum) um einerseits die Diagnose des Hodentumors zu untermauern und andererseits einen Hinweis auf eine bereits bestehende Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) in Lymphknoten im Retroperitoneum zu erhalten. Zusätzlich sollte eine Untersuchung der Lunge erfolgen, um eine Aussage über das Ausmaß der Metastasierung zu erhalten, da dieses entscheidend für die weitere Therapieplanung ist. Weiterhin ist es notwendig, Laboruntersuchungen des Blutes durchzuführen. Diese Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Allgemeinzustand des Patienten und die Funktion der unterschiedlichen Organe (Leber, Niere). Durch die Bestimmung der Tumormarker (Substanzen, die vermehrt von Tumoren gebildet werden) kann der Urologe in vielen Fällen bereits festlegen, welche Art von Hodentumor vorliegt und in welche Prognosegruppe der Patient einzuordnen ist. Die wichtigsten Tumormarker beim Hodentumor sind das β-HCG (humanes Choriongonadotropin), das AFP (Alpha-Fetoprotein) und die LDH (Laktatdehydrogenase), letzterer als sehr unspezifischer Marker für das Hodentumorleiden.

Wenn im Verlauf ein maligner Hodentumor durch eine feingewebliche Untersuchung bestätigt wird, sind weitere diagnostische Schritte (Computertomographie des Bauches, Beckens und der Lunge, evtl. Computertomographie oder Kernspintomographie des Kopfes, evtl. Skelettszintigraphie) notwendig, um das weitere therapeutische Konzept festzulegen. Hierzu besteht am Universitätsklinikum Göttingen eine enge Kooperation unserer Klinik mit der radiologischen und der nuklearmedizinischen Abteilung, der strahlentherapeutischen Klinik sowie der hämatologisch-onkologischen Abteilung der Klinik für Innere Medizin, um schnellstmöglich die notwendigen diagnostischen Methoden anzuwenden und in ein therapeutisches Vorgehen umzusetzen.

Therapie

Die endgültige Diagnosesicherung und erster Schritt des therapeutischen Vorgehens ist die operative Freilegung des Hodens mit Entnahme einer Gewebeprobe. Diese Probe wird häufig noch während der Operation von einem Pathologen feingeweblich (so genannte Schnellschnittdiagnostik) untersucht. Wird die Diagnose eines Hodentumors durch diese Probe bestätigt, wird der Hoden inklusive der Samenstranggebilde entfernt. In Ausnahmefällen wird nur der Tumor unter Belassung des restlichen Hodengewebes entnommen. Während des operativen Eingriffs wird zusätzlich eine Gewebeprobe aus dem anderen Hoden entnommen, da in etwa 5% der Fälle im anderen Hoden bereits Vorstufen (TIN=testikuläre intraepitheliale Neoplasie) eines bösartigen Geschehens nachweisbar sind. Sollte dies der Fall sein, ist im Verlauf, abhängig u.a. von der Familienplanung der jungen Patienten, eine Strahlentherapie dieses Hodens empfehlenswert.

Die weiteren therapeutischen Schritte richten sich nach der endgültigen Histologie (Seminom, Nicht-Seminom) sowie der Ausprägung der Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Als weitere Behandlungsmaßnahmen stehen die Strahlentherapie, unterschiedliche chemotherapeutische Verfahren sowie als operative Therapie die Entfernung von Tochtergeschwülsten vor oder nach Chemotherapie zur Verfügung, die in Abhängigkeit von den oben genannten Befunden zur Anwendung kommen. In manchen Fällen kann auch ein abwartendes Konzept verfolgt werden, d. h., dass primär keine weitere Therapie durchgeführt wird. In diesen Fällen sind sehr kurzfristige Kontrollen des Patienten notwendig, um das eventuelle Auftreten von Metastasen frühzeitig zu erkennen.

Hodentumoren zählen zu den wenigen bösartigen Geschwülsten, die auch im metastasierten Stadium durch eine Kombinationsbehandlung aus Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie (= multimodale Therapie) in einem hohen Prozentsatz der Fälle heilbar sind.

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