Zystektomie mit Ileum-Conduit (Totale Blasenentfernung mit künstlichem Urinausgang)

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

mit diesem Schreiben informieren wir Sie über den weiteren Verlauf nach der Operation. Wegen Ihrer Erkrankung ist eine Harnblasenentfernung geplant (Zystektomie).

Bei der Operation werden beim Mann die Harnblase, die Prostata und Samenblasen entfernt. Bei Frauen werden in der Regel neben der Blasenentfernung die Gebärmutter, die Eileiter und Eierstöcke sowie der an den Muttermund angrenzende vordere Teil der Scheide entfernt. Die möglichen Risiken, Komplikationen und Alternativen zum geplanten Eingriff werden wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch erklären und Ihr Einverständnis dokumentieren. Damit der weitere Ablauf des Urins gewährleistet ist, wird bei Ihnen die Harnableitung über eine neu konstruierten Weg mittels einem kurzen Reservoir aus eigenen Darmanteilen (Ileum-Konduit) der an der Haut abgeleitet wird angestrebt.

Ablauf des stationären Aufenthaltes

Nach der Operation verbringen Sie die erste Nacht auf der Wachstation und kommen am Folgetag in Ihr Zimmer zurück. In der Regel können Sie nach gut drei Wochen das Krankenhaus wieder verlassen. Während des stationären Aufenthaltes findet ein Gespräch über eine evtl. Kur (Anschlussheilbehandlung) statt.

Drainagen

Während der Operation werden Drainagen eingelegt, damit eine Ergussbildung reduziert  wird. Ihr Stationsarzt entscheidet, wann die Drainagen entfernt werden. In der Regel werden sämtliche Drainagen innerhalb von 4 Tagen nach der Operation entfernt.

Harnröhrenkatheter

Es werden 2 Harnleiter-Katheter in den Ileum-Konduit eingelegt (zur Schienung, Trockenhaltung und Heilungsunterstützung). Diese verlaufen in den speziell abdichtenden Urinsammelbeutel an der Bauchdecke. In der Regel werden sie nach erfolgreicher Abflußprüfung am 10. Tag nacheinander entfernt. Sie erhalten vom Pflegepersonal ein Protokoll, auf dem Sie dann Ihr Miktionsverhalten (Häufigkeit des Wasserlassens und Urinmenge) notieren.

Hautnaht bzw. Klammern

Meistens wird die Haut mit einem Faden genäht, der sich selbst auflöst. Sollte eine Klammerung erfolgen, werden die Wundklammern in der Regel am 12. postoperativen Tag entfernt.

Wundversorgung

Der Verband wird in der Regel alle 2 Tage gewechselt.

Essen nach der Operation

In der Regel erhalten Sie am 2. Tag nach der Operation etwas zu trinken. Vertragen Sie dies gut, werden Tag für Tag Ihre Mahlzeiten größer. Man nennt dies Kostaufbau. Sollte der Darm träge sein nach der Operation (z.B. als Folge der Narkose) werden wir eine medikamentöse Unterstützung der Darmtätigkeit durchführen und den Kostaufbau nach erfolgtem Abführen anstreben.

Duschen

Sie dürfen ab dem 4. Tag nach der Operation bzw. wenn die Drainagen entfernt sind duschen (Absprache mit dem Pflegepersonal). Ausgiebiges Duschen sollte vermieden werden und nach dem Duschen wird Ihr Verband und ggf. der Urinableitungsbeutel durch das Pflegepersonal gewechselt.

Urinableitung

In dem Umgang mit den speziell abdichtenden Urinbeutel werden Sie bereits im stationärem Aufenthalt geschult und sollen dies unter Anleitung selbst durchführen. Die Urinbeutel sollen jeden 2.-4. Tag erneuert werden.

Was dürfen Sie bzw. worauf sollten Sie nach Ihrer Entlassung achten?

  • Achten Sie auf regelmäßigen weichen Stuhlgang.
  • Sie dürfen spazieren gehen.
  • Für 8 Wochen sollten Sie nicht schwerer als 5 kg heben.
  • Achten Sie darauf, dass die ggf. Katheterableitungen nicht abgeknickt oder verdreht sind.
  • Sollten Sie feststellen, dass die Urinausscheidung abnimmt, konsultieren Sie Ihren Urologen.

Was dürfen Sie nicht?

  • Übermäßige körperliche Anstrengungen sollten Sie 4 bis 6 Wochen vermeiden.
  • Beim Stuhlgang nicht pressen.

Wann sollten Sie einen Arzt informieren bzw. aufsuchen?

  • Wenn Sie Fieber, Schmerzen oder Schwellungen im Wundbereich feststellen.
  • Wenn Harnleiterkatheter herausgefallen ist (im Beutel zu sehen).
  • Wenn vermehrt Urin oder Blut neben der Ableitung herausläuft.
  • Wenn der Urin andauernd trüb ist und stechend riecht.

Ernährung nach der Operation

Trinken Sie normal, d. h. ca. 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag. Eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung zur Stuhlgangsregulation ist sinnvoll. Eine spezielle Diät müssen Sie in der Regel nicht einhalten.

Thrombose

Zur Vermeidung von Thrombosen erhalten Sie während des stationären Aufenthaltes täglich eine Spritze und müssen Antithrombosestrümpfe tragen. Diese Spritzen müssen zu Hause weiter durchgeführt werden, genaue Informationen finden Sie im Entlassbrief.

Bitte kontaktieren Sie Ihren niedergelassenen Urologen oder Hausarzt. Sollte dieser nicht erreichbar sein, können Sie selbstverständlich jederzeit auch in unsere Urologische Klinik kommen. Nach der Operation kann es Wochen dauern, bis Sie sich mit der neuen Situation vollständig vertraut gemacht haben.

Umgang mit der neuen Harnableitung

Nach Entfernung der Drainagen und Harnleiterkatheter können Sie beginnen selbstständig die Urinableitungsbeutel zu wechseln/versorgen. Dies tun Sie während des stationären Aufenthaltes unter unserer Anleitung.

Wie wird der Urin entleert?

Die Urinentleerung läuft kontinuierlich und ohne Anstrengung Ihrerseits ab, am einfachsten im Stehen oder Sitzen. Am besten entleeren sich die Nieren wenn kein Druck auf den Beutel (Gurt, Hosenbund, enge Kleider, Schlafposition) ausgeübt wird. Sie müssen nur auf die ausreichende Trinkmenge und dazu passende Ausscheidungsmenge achten.

Wenn plötzlich keine oder unzureichende Ausscheidung vorhanden ist, oder sonstige Beschwerden auftauchen (Schmerzen in den Flanken, trüber, übelriechender Urin oder Fieber/Schüttelfrost), sollten Sie notfallmäßig einen Arzt – nach Möglichkeit einen Urologen - aufsuchen. In unserer Klinik ist 24 Stunden am Tag ein Urologe vor Ort.

Schleimbildung

Der Darm, aus dem das Reservoir unter der Haut gebildet ist, behält seine natürliche Eigenschaft, Schleim zu produzieren, bei. Es ist also ganz normal, dass der Urin aus dem Konduit ganz wenige Schleimflöckchen enthält oder minimal trübe ist. Wird zuviel Schleim produziert, kann der Urinabfluss verstopfen. Vor allem kurz nach der Operation besteht häufig eine erhöhte Schleimproduktion. Auch bei Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel kann die Schleimproduktion vorübergehend zunehmen. Sollten Sie plötzlich keine Ausscheidung mehr haben, so kann dies durch eine Verstopfung mit Schleim verursacht sein. Suchen Sie bitte in diesem Fall umgehend einen Arzt auf.

Flüssigkeitszufuhr

Die Harnableitung sondert über ihre Darmwand Flüssigkeit in den Urin ab. Die tägliche Urinmenge ist dementsprechend bei einer Harnableitung leicht erhöht. Dieser Umstand kann leicht zur Austrocknung führen, wenn bei vermindertem Durstgefühl vor allem im Alter vergessen wird, die verlorene Flüssigkeit durch Trinken zu ersetzen. Erwachsene mit einer Ileum-Konduit Harnableitung sollten jeden Tag 2 - 3 Liter Flüssigkeit aufnehmen. Dies kann in Form von beliebigen Getränken oder Suppen geschehen. Auf keinen Fall sollten Sie abends dursten, um Urinverlust im Schlaf zu vermeiden. Dies ist nicht erfolgreich und führt zu gefährlichen Flüssigkeitsverlusten. Sie sollten abends normal trinken und vor dem Zubettgehen lediglich auf harntreibende Substanzen (Tee, Alkohol, Kaffee ...) verzichten.

Blutübersäuerung

Bei einem Teil der Patienten mit künstlicher Harnableitung kann es zu einer Übersäuerung des Blutes oder zu Veränderungen der Blutsalze (Elektrolyte) kommen. Der Grund hierfür ist, dass der Darm von der Niere ausgeschiedene Säuren wieder aus dem Urin zurückgewinnt und an das Blut abgibt. Bei geringer Ausprägung kann dies vom Körper gut ausgeglichen werden. Sie erhalten zusätzlich von uns vorsorglich Medikamente, die einer Übersäuerung vorbeugen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus müssen daher regelmäßig die Blutsäuerung und die Blutsalze bei Ihrem Arzt kontrolliert und die Medikamentendosis gegebenenfalls verändert werden. Anfängliche Symptome, die durch eine Übersäuerung entstehen können, sind Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Vitaminmangel durch Darmausschaltung

Durch die Operation kann es selten zu einer Aufnahmestörung für Vitamin B12 kommen. Grund hierfür ist, dass zur Schaffung der Neoblase Anteile desjenigen Darmstückes verwendet wurde, die für die Aufnahme dieses Vitamins aus der Nahrung zuständig sind. Die körpereigenen Reserven an diesem Vitamin reichen in der Regel für etwa 3 Jahre. Üblicherweise reicht es aus, wenn Ihr Arzt 1 bis 2 Jahre nach der Operation den Vitamin-B12-Spiegel im Blut bestimmt. Wenn dann in seltenen Fällen ein Mangel festgestellt wird, so kann man von einer Aufnahmestörung ausgehen und das Vitamin kann in Form von Spritzen ersetzt werden. Die Ernährung muss wegen der Harnableitung nicht umgestellt werden. Im Prinzip dürfen Sie essen, was Ihnen schmeckt. Günstig ist aber eine fettarme Ernährung mit viel Gemüse und Vitaminen.

Habe ich Einschränkungen im täglichen Leben?

Die Harnableitung mittels Hautbeutel (Ileumkonduit) bringt auch nach der Eingewöhnungszeit Änderungen in Ihrem täglichen Leben mit sich. Wichtig sind eine regelmäßige Entleerung, ärztliche Nachkontrollen und gegebenenfalls die Vorbeugung einer Schleimverstopfung. Wie bisher sind Schwimmbad- und Saunabesuche möglich unter Verwendung spezieller Maßnahmen (fragen Sie dazu unsere Spezialisten für die Versorgung der Harnableitung).

Welchen Einfluss hat die Operation auf mein Geschlechtsleben?

In der Regel erfolgt die Entfernung der Harnblase mit künstlicher Harnableitung, weil die radikale Operation eines bösartigen Harnblasentumors notwendig wird. Die Entfernung der ursprünglichen Harnblase und der Prostata bewirkt, dass beim Mann der Samenerguss und die Zeugungsfähigkeit verloren gehen. Es ist wahrscheinlich, dass die für die Potenz verantwortlichen Nerven entfernt werden müssen. Bei Männern bleibt das Gefühlsempfinden im Penis meist erhalten. Je nach Ausdehnung und Lokalisation des Tumors ist es möglich, eine potenz- bzw. sexualitätserhaltende Operationsmethode anzuwenden. Bei der Frau kann es durch die teilweise Entfernung der inneren Scheide zu Schwierigkeiten bis hin zur Unmöglichkeit des Geschlechtsverkehrs kommen.

Verengung am Übergang zwischen Harnleiter und Harnableitungsstück (Dünndarm)

Es kann mit der Zeit zu einer Verengung an der Einpflanzungsstelle eines der Harnleiter in den Konduit (Dünndarmstück) kommen. Dies kann dann zu einer Abflussbehinderung und Schädigung der Niere führen - ohne dass dies Schmerzen bereiten muss, da sich die Nierenstauung langsam entwickelt. Es muss dann überprüft werden, ob eine Behandlung notwendig ist. Diese bestünde beispielsweise in einer Schlitzung der Engstelle von innen oder einer Operation mit Neueinpflanzung des Harnleiters in den Konduit. Daher sind regelmäßige Untersuchungen der Nieren mit Ultraschall bei Ihrem Urologen unbedingt empfohlen.

Ärztliche Nachkontrollen

Wichtig ist, dass Sie nach der Operation regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Urologen durchführen lassen. Er wird den Urin, die Nieren, die Blutsalze und Blutsäuerung prüfen sowie die Tumornachsorge durchführen. Die Kontrollen müssen zunächst in kürzeren und können später in längeren Abständen durchgeführt werden.

Tumornachsorge

War der Grund für die Operation ein bösartiger Harnblasentumor, wird Ihr Urologe regelmäßig die oberen Harnwege (Niere, Harnleiter) als auch die neue Harnableitung untersuchen. Eventuell ist auch ein Kontrastmittelröntgen der Nieren erforderlich. Außerdem werden in regelmäßigen Zeitabständen eine Computertomografie (CT) und Röntgenbilder des Brustkorbes (Röntgen Thorax) durchgeführt.

Am letzten Tag Ihres stationären Aufenthaltes verlassen Sie unsere Station mit einem Entlassbrief. Er enthält alle wichtigen Informationen für Ihren Urologen und/oder Hausarzt, bei denen Sie sich kurzfristig zur Kontrolle vorstellen und den Entlassbrief abgeben sollten, da der Arztbrief auch eine Empfehlung für die weitere Diagnostik bzw. Therapie enthält. Es ist möglich, dass Sie bei Entlassung einen vorläufigen Arztbrief erhalten, in dem einige Angaben noch fehlen (z. B. das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung). Sobald alle Angaben vorliegen, bekommen Ihr Urologe und/oder Hausarzt einen endgültigen Brief zugesendet.

Bei akuten Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren niedergelassenen Arzt oder unsere urologische Poliklinik (Aufzug B2, Ebene 2). Ab 15.30 Uhr und an Wochenenden/Feiertagen erreichen Sie den diensthabenden Urologen über die allgemeine Notaufnahme oder die urologischen Stationen. Sollten nach der Entlassung Fragen auftauchen, bitte zögern Sie nicht, uns auf Station zu kontaktieren (Kontaktdaten siehe Adressfeld).

Wir wünschen für die Genesung alles Gute und stehen Ihnen im medizinischen Notfall Tag und Nacht, auch nach Ihrer Entlassung, jederzeit zur Verfügung.

 

Ihr
Prof. Dr. med. L.  Trojan
und das Team der Klinik für Urologie

 

Erstellt: Juli 2012
Zuletzt überarbeitet: Februar 2019

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